Vertreter aus Politik, Justiz und Gesellschaft diskutieren über Religionsfreiheit an Schulen

Zum Abschluss des Schulprojekts zum Europatag veranstaltete der Jean-Monnet-Lehrstuhl von Professor Thomas Giegerich gemeinsam mit dem Saarbrücker Ludwigsgymnasium am Dienstag, 13. November, um 18.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Saarbrücker Schloss. Bei der Veranstaltung mit dem Titel „Freiheit und Gleichheit als Herausforderungen für die Schule in einer pluralistischen Gesellschaft“ diskutierten Bildungsminister Ulrich Commerçon mit Vertretern der evangelischen, jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften. Eingeladen waren die ins Projekt eingebundenen Schülerinnen und Schüler des Ludwigsgymnasiums sowie ihre Eltern und Lehrer.

Vor einem Jahr wurde Giegerich der „Jean-Monnet-Lehrstuhl für Europäische Integration, Antidiskriminierung, Menschenrechte und Vielfalt“ zuerkannt. Das über drei Jahre angelegte Projekt widmet sich dem Schutz besonders gefährdeter Gruppen in der Rechtsprechung; zudem gilt es, grundlegendes Wissen zur Europäischen Integration und zu Menschenrechtsfragen zu vermitteln. In diesem Zusammenhang veranstaltet der Jean-Monnet-Lehrstuhl in diesem Jahr gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der elften Klasse des Ludwigsgymnasiums das Projekt über Diskriminierung, das durch die Podiumsdiskussion am 13. November abgeschlossen wurde. Das Schulprojekt des Jean-Monnet-Lehrstuhls hat bereits am 27. April 2018 mit einer Einführungsveranstaltung zum Thema „Antidiskriminierungsaspekte im Europarecht“ begonnen: Rund hundert Schülerinnen und Schüler der (damals) zehnten Klasse des Saarbrücker Ludwigsgymnasiums erhielten eine Einführung in den Aufbau der Europäischen Union und die Grundlagen des Antidiskriminierungsrechts. Anlässlich des Europatages am 9. Mai folgten die Jugendlichen der Einladung ans Europa-Institut der Universität. In verschiedenen Workshops beschäftigten sie sich mit Themen wie Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, Religion oder Behinderung oder mit dem europäischen Asyl- und Flüchtlingssystem.

„In der Podiumsdiskussion geht es um das Grundproblem, die Integration von Minderheiten in die von der Mehrheit geprägten Lebensverhältnisse so zu gestalten, dass ihre legitimen Ansprüche auf Wahrung ihrer Besonderheiten nicht verletzt werden“, erklärt Professor Thomas Giegerich. In einem kurzen Einführungsvortrag führte er beispielhaft einige Fälle aus der Rechtsprechung deutscher und europäischer Gerichte aus. Dabei handelte es um Konflikte, die sich aus der religiös-weltanschaulichen Vielfalt in den heutigen Schulen ergeben haben: Kreuz im Klassenzimmer, Kopftuchverbote für Lehrerinnen und Schülerinnen, Forderungen nach Befreiung vom Schulunterricht aus religiösen Gründen, erläutert Giegerich. Diese Fragen sollen in der anschließenden Podiumsdiskussion vertieft werden.

An der Podiumsdiskussion „Freiheit und Gleichheit als Herausforderungen für die Schule in einer pluralistischen Gesellschaft“ nahmen teil: Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon; der Beauftragte der Evangelischen Kirchen im Saarland, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann;  der Vorstandsvorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann; Rechtsanwältin Funda Bilaloglu als Vertreterin des muslimischen Glaubens sowie Stephan Körner, Richter am Verwaltungsgericht des Saarlandes. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem SR-Journalisten Jürgen Rinner.